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29. Januar 2014

Neuer Standard für nachhaltiges Bauen

«Es gibt noch nichts Vergleichbares in der Schweiz», meint Olivier Meile, Bereichsleiter Gebäudetechnologie im Bundesamt für Energie. «Die bestehenden Baustandards decken nur einen Aspekt der Nachhaltigkeit ab. Wir wollen Anreize für ein ganzheitliches Denken und Handeln schaffen». Joe Luthiger, Geschäftsführer des Netzwerks Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS), stellt fest, dass auf dem Markt eine Nachfrage nach derartigen Instrumenten besteht. Die Bauherren würden sowohl der Energieeffizienz der Gebäude wie auch den wirtschaftlichen und sozialen Aspekten eine grosse Bedeutung beimessen. Das Ziel des neuen Standards Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) ist es, die drei Dimensionen des nachhaltigen Bauens, nämlich Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt, über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu berücksichtigen. Der Standard ist zwar neu, das Rad soll aber nicht neu erfunden werden. «Der Standard bezieht die bestehenden Instrumente und Standards mit ein und berücksichtigt die Schweizer Planungs- und Baukultur», präzisiert Olivier Meile. «Er schafft folglich mit relativ geringem Aufwand einen grossen Mehrwert». «Schlussendlich haben wir ergänzend ein geniales Instrument», freut sich Joe Luthiger.

25 Kriterien mit der Note 1 bis 6
Der SNBS erlaubt, die Nachhaltigkeit eines Gebäudes anhand von festgelegten Kriterien und Indikatoren detailliert zu überprüfen. Die Dimension Gesellschaft berücksichtigt acht Kriterien, so zum Beispiel das Wohlbefinden, die Nutzung des Raumes, die soziale Durchmischung oder die Einordnung der Gebäude im lokalen Kontext. Im Bereich Wirtschaft wird anhand von zehn Kriterien das Ertragspotenzial sowie die Finanzierbarkeit und die Handelbarkeit eines Objekts beurteilt. Der Bereich Umwelt schliesslich umfasst sieben Kriterien, die den Umgang mit Ressourcen, die Mobilität, die Biodiversität und den Umgang mit dem Boden prüfen. Das Schlussresultat präsentiert sich in Form einer Beurteilung zwischen 1 und 6, wobei 6 den höchsten Beitrag an die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft bedeutet. Die Resultate werden als gewichtete Mittelwerte pro Kriterium und Bereich dargestellt und in einer leicht verständlichen Tabelle übernommen. «Die Beurteilung zeigt die Stärken und Schwächen eines Gebäudes hinsichtlich der Nachhaltigkeit auf und ermöglicht anschliessend eine gezielte Optimierung», erklärt Joe Luthiger. Entwickelt wurde der Standard für Mehrfamilienhäuser und Bürogebäude, er kann aber auch für andere Nutzungsarten verwendet werden. Er lässt sich sowohl für Neubauten wie auch für bestehende Gebäude einsetzen.

Kostenloses Instrument auf Internet
Die aktuelle Version des Standards SNBS kann als Excel-Tool von der Internetseite des Netzwerkes NNBS www.nnbs.ch kostenlos heruntergeladen werden. Während der laufenden Pilotphase wird die erste Version des Instruments an 28 Wohn- und Verwaltungsgebäuden getestet (siehe Kasten). «Das Ziel ist, ein Label zu schaffen, das auf diesem Standard beruht. Gespräche sind im Gang», meint Olivier Meile. Energieeinsparungen, Bevölkerungswachstum oder Schonung der Ressourcen: Nachhaltiges Bauen wird in Zukunft mehr denn je ein Thema sein.

Quelle: Bundesamt für Energie

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